BEST Institut für berufsbezogene Weiterbildung und Personaltraining GmbH
Februar 2026

Green Jobs für alle: Niederschwellige Berufsorientierung in einer ökologischen Transformation

Die ökologische Transformation prägt europäische Arbeitsmärkte zunehmend. Politische Leitlinien wie der European Green Deal setzen ambitionierte Ziele für Klimaneutralität, Ressourceneffizienz und nachhaltiges Wachstum. Diese Entwicklungen schaffen neue Beschäftigungsfelder, verändern bestehende Tätigkeiten und eröffnen Chancen für Menschen, die bisher nur eingeschränkt am Arbeitsmarkt teilhaben konnten. Das europäische Projekt No One Behind! (https://noonebehind.eu) reagiert auf diese Dynamik, indem es eine kostenfreie, niedrigschwellige Orientierungsplattform bereitstellt, die vulnerable Erwachsene beim Verstehen, welche digitale und ökologische Grundkompetenzen von Bedeutung sind, unterstützt und ihnen einen strukturierten Zugang zu Green Jobs Informationen ermöglicht.

Mit über 100 Teilnehmenden aus Belgien, Griechenland, Italien, Österreich und der Türkei zeigt sich, dass die Plattform als verständlich, motivierend und praxisnah wahrgenommen wird. Viele Nutzer_innen berichteten, dass sie erstmals einen realistischen Überblick über grüne Berufsfelder erhielten und dadurch neue berufliche Perspektiven erkennen konnten. Besonders wertvoll war die Möglichkeit, Green Jobs in jenen Branchen kennenzulernen, die in den jeweiligen Partnerländern eine große Rolle spielen: nachhaltiger Tourismus, ökologische Landwirtschaft und Gartenbau, ressourcenschonender Einzelhandel sowie umweltbewusste Lebensmittelverarbeitung.

Was bedeutet „Green Job“?

Green Jobs werden international als Tätigkeiten definiert, die einen Beitrag zum Umweltschutz oder zur Ressourcenschonung leisten und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sowie sozial fair sind (ILO, 2016). Dazu gehören spezialisierte Berufe wie Solartechniker_innen ebenso wie niedrigschwellige Tätigkeiten in Recyclingbetrieben, nachhaltiger Logistik oder urbaner Begrünung. Entscheidend ist nicht der Titel des Berufs, sondern der ökologische Mehrwert der Tätigkeit.

Green Jobs in alltäglichen Branchen: Ein breiter Zugang

Im Projekt No One Behind! wurde der Begriff bewusst weit gefasst, um auch jene Tätigkeiten sichtbar zu machen, die in klassischen Arbeitsmarktprogrammen oft übersehen werden. Beispiele aus den Partnerländern zeigen, wie vielfältig Green Jobs auch in klassischen Wirtschaftssektoren sein können:

  • Tourismus (Italien, Österreich, Türkei): nachhaltige Gästebetreuung, Energieeffizienz in Hotels, Abfallreduktion, regionale Wertschöpfung.
  • Agrar- und Gartenbau (Belgien, Griechenland, Italien): ökologische Landwirtschaft, Urban Gardening, Pflege von Grünflächen, Kompostierung.
  • Retail (Österreich): nachhaltige Lieferketten, ressourcenschonende Lagerhaltung, Reparatur- und Wiederverwendungsservices.
  • Food Processing (Italien): energieeffiziente Produktionsprozesse, Reduktion von Lebensmittelabfällen, nachhaltige Verpackung.

Diese Tätigkeiten sind für Menschen mit geringer formaler Qualifikation besonders relevant, da sie oft ohne lange Ausbildungswege zugänglich sind und gleichzeitig stabile Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Arbeitsmarktpotenziale: Warum Green Jobs gerade jetzt wichtig sind

Die Arbeitsmarktdaten unterstreichen die Bedeutung solcher niedrigschwelligen Zugänge. In Österreich lag die Arbeitslosenquote laut Statistik Austria im Jahr 2024 bei rund 5,2  % (Statistik Austria, 2024 nach internationalem Konzept). Besonders betroffen sind Personen mit niedriger Qualifikation, ältere Arbeitssuchende und Menschen mit Migrationshintergrund. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Arbeitskräften in umweltbezogenen Tätigkeiten kontinuierlich (AMS, 2025).

Für arbeitsmarktferne Personen bedeutet dies: Wer frühzeitig Zugang zu Informationen, Orientierung und Weiterbildung erhält, kann sich in diesen wachsenden Feldern positionieren. Genau hier setzt die No One Behind! Plattform an.

Digitale Berufsorientierung für schwer erreichbare Zielgruppen

Das Career Counselling Modul der Plattform unterstützt Teilnehmende dabei,

  • eigene Stärken zu erkennen,
  • passende Green Job Profile zu identifizieren,
  • notwendige Vorkenntnisse einzuschätzen,
  • Weiterbildungsangebote zu finden,
  • und konkrete berufliche Schritte zu planen.

Die Plattform verweist auf nationale und europäische Qualifizierungsangebote, darunter Berufsbildungszentren und arbeitsmarktpolitische Programme. Durch die Verbindung von ökologischem Basiswissen, branchenspezifischen Beispielen und praktischen Orientierungshilfen entsteht ein Raum, der besonders für schwer erreichbare Zielgruppen geeignet ist.

Fazit: Green Jobs als Chance für eine inklusive Zukunft

Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen, dass Green Jobs nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales Transformationspotenzial besitzen. Wenn Menschen mit geringen Chancen am Arbeitsmarkt frühzeitig Zugang zu verständlichen Informationen und niedrigschwelligen Beratungsangeboten erhalten, können sie aktiv an der grünen Transformation teilhaben. No One Behind! leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem es Orientierung, Motivation und konkrete berufliche Perspektiven in einem sich rasch wandelnden Arbeitsmarkt schafft.

Finden Sie mehr zur Plattform selbst über unsere Projektwebseite:

No One Behind! Social Media

 

Quellen
AMS (2025). Arbeitsmarktdaten https://www.ams.at/regionen/wien/news/2025/07/immer-mehr-menschen-wollen-in-nachhaltigkeits–und-klimajobs-arb
European Commission. (2019). The European Green Deal. https://ec.europa.eu/info/strategy/priorities-2019-2024/european-green-deal
International Labour Organization. (2016). What is a green job? https://www.ilo.org/topics-and-sectors/just-transition-towards-environmentally-sustainable-economies-and-societies/what-green-job
No One Behind! (2025). Project website. https://noonebehind.eu
Statistik Austria. (2024). Arbeitslosenquote 2024. https://www.statistik.at

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